| Interviews > Pavlina Scasna, März 2005 | ||
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Zur
Belohnung nach Dubai
Zwischen
+25 Grad in den Vereinigten Arabischen Emiraten und –20 Grad in
München pendelte Pavlina Scasna diesen Winter. 2003 spielte
Pavlina
Scasna in Philadelphia beim dortigen WUSA-Profiteam.
Einige Spiele und Tore absolvierte sie dort, aber "Verletzungen
hinderten mich daran, meine volle Leistungsfähigkeit zu erreichen",
so Pavlina. Dennoch hat sie noch gute Kontakte zu ihrem ehemaligen
Trainer, der bis vor kurzem das US-U19 Team betreute und nun an
einer Universität Frauenfußball lehrt: "Auf ein paar
tschechische Talente habe ich ihn schon hingewiesen". Da sich die
WUSA Ende 2003 auflöste, kehrte sie zum FC Bayern München
zurück, wo sie früher bereits Spielführerin der 1.Mannschaft
war. Neben dem Erfolg in der Bundesliga
war Pavlina mit dem tschechischen Nationalteam lange auf Kurs
Richtung Europameisterschaft 2005. Zwar wurden die beiden
Qualifikationsspiele gegen Deutschland klar verloren, doch der zweite
Gruppenplatz hinter Deutschland konnte erobert werden. Das erste
Playoff-Qualifikationsspiel in Italien verlor das Team trotz eines
Treffers von Pavlina 1-2. Im Rückspiel war sie (zweite gelbe
Karte) und FCB-Teamkameradin Dagi
Urbancova (rote Karte) gesperrt, wodurch das tschechische Team
geschwächt in das Rückspiel ging. Bei diesem Match setzten
die Tschechinnen alles auf eine Karte und wurden von den Italienerinnen
eiskalt ausgekontert: Mit dem 0-3 verpasste das tschechische Team
die EM. 2004 konnte
Pavlina als sehr erfolgreiches Jahr verbuchen. Die erste Belohnung
erhielt sie Anfang Januar. Während ihres Griechenland-Urlaubs
erfuhr sie von einer große Ehre: Pavlina Scasna wurde zur
"Tschechischen Fußballerin des Jahres 2004 "
gewählt worden. Diesen Titel gewann sie 1998
bereits einmal im Alter von 16 Jahren. Obwohl sie von Jahr zu Jahr
besser wurde, musste sie sechs Jahre warten, bis ihr diese Ehre
wieder zuteil wurde: 2004 entschieden sich die Vereins- und Nationalteam-Trainer
des tschechischen Frauenfußballs für Pavlina als herausragende
Spielerin: " Ich denke,dass ich letztes Jahr auch in der Nationalmannschaft
ganz gute Spiele gemacht habe. Deswegen habe ich ein bisschen mit
einer guten Platzierung gerechnet. Aber wenn es möglich wäre,
würde ich das sofort gegen eine EM-Teilnahme eintauschen. Erfolge
auf dem Platz sind mir wichtiger als Preise." Lustig findet sie,
dass sie sowohl 1998 als auch 2004 zusammen mit Juventus-Star Pavel
Nedved den nationalen Titel des herausragenden Spielers gewann:
"Seit 1998 habe ich viel erlebt und viele tolle Erfahrungen in Deutschland
und USA gemacht". Wobei 2004 nicht nur für
sie, sondern auch für ihre Familie ein Besonderes
war: Ihr Vater Zdenek wurde im Oktober Trainer des griechischen
Championsleague-Teams Panathinaikos Athen, allerdings wurde er dort
im Februar entlassen. Bruder Michal stieg aus der ersten tschechischen
Liga ab und kämpft derzeit um den Wiederaufsteig. Der tschechische Fußballverband
war sehr angetan von den Leistungen des Frauen-Nationalteams, was
zur zweiten Belohnung führte: Die Mannschaft flog im
Januar vom kalten Europa ins warme Dubai. Pavlina: "Wir
waren im ersten Spiel noch nicht akklimatisiert. Wenn wir einen
Tag früher dort gewesen wären, hätten wir sicher
nicht 1-3 gegen Russland verloren. Da stand es zur Halbzeit schon
0-3". So belegte das tschechische Team nach einem 4-0 gegen Rumänien
und einem 5-0 gegen Saudi-Arabien Platz zwei des Kurzturniers. Pavlina
"wusste vorher nicht, dass es Frauenfußball in Dubai oder
Saudi-Arabien gibt." Das saudische Team habe sich sehr bemüht,
berichtet Pavlina, aber man merke, dass der dortige Frauenfußball
noch im Anfangsstadium steckt. Der Leistungsgedanke stand bei der
Reise ohnehin nicht im Zentrum: Bei angenehmen 25 Grad konnten
die Spielerinnen ausgiebig Sightseeing betreiben. Dabei
stellten sie auch fest, dass Bikinis nicht an allen Stränden
erlaubt waren. Je nachdem in welchem der sieben autonomen Emirate
der Vereinigten Arabischen Emirate man sich befindet, gelten unterschiedliche
Sittenregeln. 2005 will sie sehr gerne
an 2004 anknüpfen: "Die Vorbereitung war sehr gut!". Vom dabei
zum Einsatz gekommenen "Speed Training System"
ist sie begeistert: "Damit wird wirklich jeder schneller!". Dieses
Trainingssystem will zeigen, dass hohe Bewegungsschnelligkeit nicht
nur angeboren ist, sondern durch spezielles, regelmäßiges
Training stark verbessert werden kann. Nach einigen Vorbereitungsspielen
auf Kunstrasen, will sie nun endlich in den normalen Spielbetrieb
eingreifen. Dazu besteht an Ostern mehr als Gelegenheit:
Donnerstags kommt der Tabellenführer 1.FFC
Frankfurt nach München, Montags wartet der deutsche Meister
Turbine Potsdam zum Pokal-Halbfinale. Auch wenn die EM in England
verpasst wurde, fährt Pavlina mit ihrem Nationalteam im Mai
zu zwei Länderspielen auf die Insel: Englands Team will sich
vor der EM mit den Tschechinnen messen. Sie hofft, dass auch 2005
ein ähnlich erfolgreiches Jahr wie 2004 wird: Denn auch dann
ist wieder ein Ausflug nach Dubai in Aussicht gestellt. Und wer
fliegt im Winter nicht gerne aus dem kalten Europa an den persischen
Golf?
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