20.10.2006: Carmen Roth: Neun Jahre Bundesliga
Carmen Roth begann in ihrer Heimat nahe Niederkirchen beim dortigen TuS ihre Bundesligakarriere. 1997 debütierte Sie neben Legenden wie Heidi Mohr, damals noch als Stürmerin. 18 Monate spielte sie beim SC 07 Bad Neuenahr, bevor sie 2003 zum FC Bayern kam. Fcbayern-frauenfussball.de unterhielt sich mit "Camy" über die Entwicklung des Frauenfußballs, wie man Job und Kicken unter einen Hut bekommt und über die Chancen im Pokalspiel gegen Bad Neuenahr.
Wann und wo hast Du Fußballspielen angefangen?
Mit sechs Jahren begann ich in der Nähe von Niederkirchen. Bis 13 spielte ich in Jungsteams und musste dann in eine Mädchenmannschaft wechseln. Das fand ich damals gar nicht gut, das unterforderte mich ziemlich. Mit 18 machte ich dann mein erstes Bundesligaspiel.
Wie hat sich seitdem die Bundesliga verändert?
Kurz danach wurde die eingleisige Bundesliga eingeführt. Seitdem ist das Spiel viel athletischer, dynamischer und taktischer geworden. Zum Beispiel war die Abwehraufstellung früher klassisch: Libero, Vorstopper, Außenverteidiger. Heute spielen alle mit Viererkette.
Zwischendurch dachte ich mal, es gibt einen Rückschritt. Damals als die Spielerinnen-Generation um Heidi Mohr und Silvia Neid zurücktrat. Aber es rückten ja doch relativ schnell andere Spielerinnen nach.
2000 wechselst Du zum SC 07 Bad Neuenahr. Warum?
Mit dem TuS Niederkirchen stiegen wir leider aus der Bundesliga ab. Um weiter Bundesliga spielen zu können, ging ich nach Bad Neuenahr. Das war eine schöne Zeit, eine lustige Mannschaft, der Verein hat mich sehr gut aufgenommen. Sportlich waren wir nahe am großen Erfolg dran: Im Pokalhalbfinale verloren wir gegen Turbine Potsdam im Elfmeterschießen.
Kennst Du noch jemanden aus dem Neuenahrer Team?
Das ist nun doch schon einige Jahre her. Marina Himmighofen und Nadine Fols kenne ich noch. Besonders Nadine wünsche ich alles Gute. Sie hat sich schwer am Knie verletzt.
Du hast Länderspiele in der U18- und U21-Nationalmannschaft gemacht. Bestand die Chance auf mehr?
Die Chance war da. Und vielleicht ist sie ja immer noch da, man sollte das nicht ausschließen. Allerdings hat mein Beruf oberste Priorität. Viermal Training die Woche, ein Fußballspiel irgendwo in Deutschland ist bei einer 40 Stunden-Arbeitswoche nicht einfach unter einen Hut zu bekommen.
Was arbeitest Du?
Ich bin bei einer Versicherung angestellt. Als ich von Niederkirchen zu Bayern wechselte, konnte ich innerhalb des Konzerns wechseln.
Wie gut ist Dein Bayerisch? Als die Mannschaft kürzlich "Wer früher stirbt ist länger tot" im Kino sah: Hast Du die bayerischen Witze verstanden?
Ja, das war kein Problem. In der Arbeit hatte ich mal eine Kollegin aus dem tiefsten Bayern, die hat mir so einiges beigebracht.
Wie gut das Teamklima ist, zeigt, dass das komplette Team schon wieder gemeinsam im Kino war. "Deutschland. Ein Sommermärchen" zeigt den Erfolgsweg der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006. Was kann man daraus mitnehmen?
Der Film zeigt sehr gut, wie weit man als ein Team kommen kann. Das versuchen wir genauso! Es zeigt, dass man mit Optimismus und Arbeit viel erreichen kann. Ich bin zum Beispiel noch nie nach Frankfurt oder Potsdam gefahren und hoffte auf Schadensbegrenzung. Ganz im Gegenteil: Etwas zu verlieren haben in solchen Spielen nur diese Topteams. So war es auch in unserem letzten Spiel gegen den 1.FFC Frankfurt. Ich stand hinten und dachte: Was ist den heute los? Nina, Vanessa, "Schoki" und "Niki" (Anm. d.Red.: Nina Aigner, Vanessa Bürki und die Banecki-Zwillinge) wirbelten die Frankfurterinnen ziemlich durcheinander. Gleichzeitig fingen die Frankfurterinnen an zu meckern und Bälle unmotiviert ins Aus zu spielen. Das war schon sehr verwunderlich. Blöd nur, dass wir am Ende doch 1-2 verloren haben.
Du bist eine der älteren Spielerinnen. Beim FCB spielen sehr viele sehr junge Spielerinnen. Unterstützt Du die Jüngeren?
Klar! Das gehört dazu, Jüngere zu führen. Zum Beispiel gegen den FFC Brauweiler war es ganz schwer. Da spielten so viele junge und unerfahrene Spielerinnen mit, das war schon eine Art Experiment. Man muss da nur aufpassen, nicht dass vor lauter Kümmern um Andere man selbst schlecht spielt.
Was sind Deine Stärken?
Stellungsspiel, Zweikampfstärke, Technik und Schnelligkeit.
Heute spielst Du als Innenverteidigerin. Warst Du das schon immer?
Nein. Ich bin langsam nach hinten gewandert. In Niederkirchen war ich Stürmerin, in Neuenahr Mittelfeld und seitdem ich beim FCB bin Innenverteidigerin.
Reizt es Dich dann noch, nach vorne in die Spitze zu gehen.
Das reizt mich schon, z.B. am letzten Sonntag gegen Frankfurt war so eine Gelegenheit. Die habe ich noch richtig vor Augen. Das hätte mich gereizt. Aber da musste ich mich zurückhalten, auf Nummer sicher gehen und im Abwehrverbund bleiben.
Das letzte Spiel gegen Bad Neuenahr endete 1-1. War das Ergebnis ok?
Das 1-1 war gerecht und den Spielanteilen angemessen. Da trafen zwei ausgeglichene Teams aufeinander.
Am Sonntag zum Pokalspiel darf Bianca Jay Rech nicht mitspielen? Ein großer Nachteil?
Mir ist wichtig, dass die Abwehr sicher steht. Dazu ist eine eingespielte Viererkette nötig. Leider wird die bei uns die Kette immer wieder neu formiert. Das ist schon ein Nachteil. Mal sehen wer links außen stehen wird.
Könntest Du Dir vorstellen, unter dem umstrittenen Neuenahrer Trainer Didi Schacht zu spielen?
Definitiv nein!
Wie ist Dein Ausblick auf das Pokalspiel?
Ich hoffe, es ist schönes Wetter. Damit viele Zuschauer kommen! Wir werden Alles geben, um eine Runde weiter zu kommen!
Vielen Dank, Camy. Viel Erfolg am Sonntag!
Interview von Bernhard Kux
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