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Interviews > Kim Rogers, 28.11.2003

Von San Diego über Rom nach München
Kim Rogers spielt Ihre erste Saison beim FC Bayern. Als Torjägerin ist sie ein wichtiger Teil des FCB-Angriffs. FCBayern-Frauenfussball.de befragte sie zum FFC-Pokalspiel, ihrem Weg nach München und vielen anderen Dingen.

Kim RogersWie hast Du die entscheidenden Momente des DFB-Pokalspiels gegen den FFC Frankfurt erlebt?
Vor dem Gegentor spielten wir sehr gut und waren nahe am Führungstor dran. Das Tor schockte uns schon etwas, aber wir kämpften uns nach ein paar Minuten heran. Trotz einiger Torchancen gelang es uns leider nicht mehr den Ausgleich zu erzielen. Das war ein unglückliche Niederlage.

Wie ist das Gefühl gegen Weltmeister zu spielen?
Auf solch ein Spiel habe ich lange gewartet, darum spiele ich Fußball. Es ist eine große Herausforderung, gegen so gute Mannschaften zu spielen. Aber auf dem Fußballfeld ist es egal, wer Weltmeister ist oder nicht. Die sind alle auch Menschen.

Habt ihr das Pokalaus schon verarbeitet und freut ihr euch auf das nächste Spiel?
Kein Thema, das Ausscheiden ist schon abgehakt. Dieses Spiel zeigte uns was möglich ist. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben, das wir in den nächsten Spielen einsetzen wollen.

Hast Du mehrere Fußballvereine in Europa kontaktiert?
Ich kenne mehrere Spielerinnen, die in Europa aktiv sind. Ein spielt in Italien, sie vermittelte mir den Kontakt zu Lazio Rom. Dort war ich sechs Wochen, aber insgesamt war das nicht das wonach ich suchte. Nach meiner Rückkehr nach San Diego habe ich mich Karin Danner per Mail vorgestellt. Ein Fußball-Video von mir gefiel Karin und Trainer Peter König. Daher wurde ich zu einem zweiwöchigen Probetraining eingeladen.

Warum ist dann Real Madrid und nicht der FCB dein Lieblingsverein?
Ich mag den deutschen Fußball sehr, er ist sehr athletisch und von Taktik geprägt. Aber Real spielt einen sehr eleganten und schönen Fußball.

Stimmt es, dass Du den Flug zum Probetraining selbst bezahlen musstest?
Das stimmt. Meine Eltern und ich haben uns entschlossen, diese einmalige Chance wahrzunehmen. Es war immer mein Traum, bei einem Verein wie dem FC Bayern zu spielen.

War es schwer, einen Vertrag beim FCB zu bekommen?
Meine bisherigen Erfolge und Erfahrungen und das Video waren der Einstieg. Beim Probetraining konnten dann der FCB und ich sehen, ob wir zusammenpassen. Beim Testspiel gegen Österreich spielte ich das erste Mal mit und es klappte sehr gut. Zwar gab es anfangs schon das eine oder andere Problem, aber das war schnell ausgeräumt.

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen Kanada/USA und Deutschland?
Meine Erfahrung ist, dass wir in Kanada und USA entspannter und lockerer sind. Die Deutschen sind dagegen sehr genau, diszipliniert und hart arbeitend.

Kim RogersHattest Du Zeit, Dir München und Bayern anzuschauen?
Oh ja. In München besuchte ich die vielen Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel den Marienplatz und den Königsplatz. Auch habe ich schon öfters meine WG-Mitbewohnerin Angelika Seidl zuhause in Niederbayern besucht. Ich freue mich schon darauf, mehr von Bayern zu entdecken.

Wie lange wirst Du beim FCB bleiben?
Derzeit habe ich einen Einjahresvertrag. Aber ich möchte länger bleiben!

Aus welchem Teil Kanadas kommst Du?
Aus Vancouver an der Westküste.

Deine älteren Geschwister brachten Dich zum Fußball. Spielen sie noch Fußball?
Meine Schwester spielte in den USA, mein Bruder in Kanada?

Wo in den USA hast du gespielt?
Während der Collegeferien spielte ich im so genannten "Olympic Development program". Meine Collegeteams waren San Diego State University und die University of Texas - El Paso. Beide spielen in der höhsten US-College-Liga, der "NCAA 1.Division".

Was hast Du studiert?
Ich habe einen Abschluss in Englisch und vergleichender Literaturwissenschaft.

Viele Mädchen spielen in Colleges Fußball. Wo können sie nach ihrer Collegezeit spielen?
Wie in Deutschland gibt es Vereine, in denen man spielen kann. Manchen haben nur Jugendteams, in anderen spielen alle Altersklassen von 5 bis 50.

Als Beruf gibst Du Fußballtrainer an. Was bedeutet das?
Neben dem Studium und dem eigenen Fußballspiel arbeitete ich in den USA als Trainer: Ein U11-Team trainierte ich und für die Unis von Irvine und San Diego machte ich bei Fußball-Trainingslagern mit. Das war eine tolle Erfahrung. Hier in München bin ich so etwas wie eine "professionelle Amateurfußballspielerin".

Ist Olympia 2004 ein Thema für dich?
2004 sicher nicht, aber vielleicht 2008. Wobei ich mich dann noch für die US- oder kanadische Staatsbürgerschaft entscheiden müsste.

Eines Deiner Hobbies ist "sector 9 skateboarding" Was ist das?
Ein "sector 9 skateboard" ist ein spezielles Skateboard. Das ist wie Surfen auf der Straße.


Surfen ist ein anderes Action-hobby. Wo bist Du in Kanada und Texas gesurft.
In Kanada ist das am Tofino-Beach möglich. In El Paso ist surfen dagegen überhaupt nicht vorstellbar.

Deine Lieblingsmusik spielt Jack Johnson, 311 und Sublime. Was ist das für ein Musikstil?
Das sind drei sehr verschiedene Musikrichtungen: Sublime ist eine süd-kalifornische Punkband. 311 spielt eine Art retro-surf-music im Punkstil. Und Jack Johnson ist eigentlich ein Profisurfer aus Hawaii. Dass er auch folk-surf Musik macht, wissen nur wenige.

Die Baseball-Komödie "A League Of Their Own" ist Dein Lieblingsfilm. Warum ist das so?
Der Film erzählt, wie Frauen nach dem zweiten Weltkrieg eine Baseball-Liga aufbauen. Sie müssen dabei gegen viele Vorurteile ankämpfen. Da gibt es viele Parallelen zum Frauenfußball. Sehr sehenswerter Film!

Spielst Du gerne Baseball?
Nein, überhaupt nicht.

Ist Dein Lieblingsessen "baja mexican" nicht ein spezieller Kochstil?
Ja, das stimmt. Einfach erklärt: In vielen Gerichten wird Fleisch durch Fisch ersetzt.
Ausgesprochen wird "baja" das übrigens wie "baha".

Welches "baja Mexican" Gericht sollte man als erstes ausprobieren?
Probier zuerst Hummer-Tacos!

Hast Du ein Lieblingsbier?
Weißbier schmeckt sehr gut!

"Curb your enthusiasm" siehst Du gerne im Fernsehen an. Worum geht es dabei? (Anm. d.Red: "Curb your enthusiasm" heisst soviel wie "Fahr deine Begeisterung zurück")
Der Hauptdarsteller der Sendung ist der Erfinder von Seinfeld. Jede Sendung hat ein grob vorgegebenes Thema. Durch Improvisation entwickelt sich die Sendung aber in unvorhersehbare Richtungen. Es geht um die seltsamen Dinge, die im Alltag passieren können.

Kann man das in Deutschland sehen?
Ich glaube nicht.

Sprichst du mit Deinen Teamkolleginnen englisch oder deutsch?
Das hängt von der Person ab. Mit einer Gruppe spreche ich nur deutsch, mit der anderen nur englisch. Beispielsweise spreche ich mit meiner Mitbewohnerin Angelika nur englisch, mit meiner anderen Mitbewohnerin nur Deutsch. D.h. Sprache und Person sind miteinander verbunden.

Was sind Deine Zeile außerhalb des Sports?
Ich möchte Kindern helfen. Entweder als Lehrerin oder Psychologin.

Wenn Du Zeit hättest: Welche Freizeit-Aktivitäten würdest Du gerne einmal machen?
Snowboarding in den Alpen!

Gibt es etwas, was Du den Fans auf diesem Weg mitteilen möchtest?
Vielen Dank für Eure Unterstützung. Das hat uns gerade beim Spiel gegen Frankfurt sehr geholfen!

Vielen Dank, Kim!
Viel Erfolg weiterhin!

In Auszügen ist dieses Interview im neuen Soccer-Magazin abgedruckt.

Das Gespräch führte Bernhard Kux