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Sissy Raith ist eine der erfolgreichsten Fußballerinnen
Deutschlands: Die zweifache Europameisterin und sechsmalige deutsche
Meisterin übernahm Anfang 2004 das Traineramt beim Bundesligisten
FC Bayern München. "die
elf" sprach mit Ihr über ihre Arbeit als Trainerin
und ihre Spielerinnen.
Nach der Übernahme des Teams Anfang 2004 hast Du das Team aus
der Abstiegsgefahr auf Rang Fünf geführt. Was führte
zu dieser Leistungssteigerung?
Das ist nicht in ein paar Worte zu fassen. Zunächst
musste ich das Selbstvertrauen zurückgeben und die Freude am
Fußball wieder wecken. Schon kleine Erfolgserlebnisse im Training
loben und honorieren waren dabei erste Schritte. Hinzu kamen die
guten Ergebnisse in den Spielen, was die Sache einfacher machte.
Erforderlich und erfolgreich waren auch einige Umstellungen: Wir
mussten einfach zu viele Tore hinnehmen, daher trainierten wir intensiv
unser Abwehrverhalten. Mit Janine
Parztsch und Carmen
Roth formierte sich in der Rückrunde eine souveräne
Innenverteidigung. Dabei spielten beide in der Hinrunde nicht oft
bzw. in der 2. Mannschaft. Sehr wichtig war auch, dass Sonja
Spieler nun defensiver agierte und mit Sandra
de Pol die Flügel sehr gut abdeckte. So bauten wir ein
4-5-1 System auf, das insbesondere im Defensivbereich mit einer
sehr geschlossenen Mannschaftsleistung die Erfolge möglich
machten. Dadurch sind wir flexibler und üben somit früher
Drück auf den Gegner aus.
Hast Du Deinen Trainerschein als sehr erfolgreiche Nationalspielerin
wie Jürgen Klinsmann in einem Schnell-Lehrgang gemacht?
Nein. Dieser Lehrgang war eine von Berti Vogts damals durchgeboxte,
einmalige Maßname. Ich habe das komplette Programm wie jeder
andere bis zur A-Lizenz absolviert. Allerdings gab es keine Wartezeit
für Lehrgänge, das war der einzige Vorteil als ehemalige
Nationalspielerin.
Gibt es einen Austausch mit anderen FCB-Trainern?
Da wir nun ständig in Aschheim trainieren, ist die
Bindung zur Säbenerstraße eher weniger gegeben. Wenn
aber Gelegenheit ist, tausche ich mich vor Allem mit den anderen
Jugendtrainern und selbstverständlich mit Rudi Läng, dem
Trainer der ersten Mannschaft des 1. FC Aschheim aus.
Aschheim
ist die neue Heimat: Wie sind dort die Trainingsbedingungen?
Die sind überragend. Ich habe schon viel in meiner
Karriere gesehen, aber in Aschheim ist es nun wirklich perfekt.
Wir haben einen eigenen Trainingsplatz, eine eigene Kabine. Hinzu
kommt ein eigener Raum, in dem wir unsere Sachen deponieren können.
Also eine echte Heimat.
Hinter dem Aschheimer Trainingsgelände gibt es einen
Hochseilgarten und eine Wakeboard-Analage. Habt Ihr das zur Trainingsabwechslung
ausprobiert?
Bisher noch nicht, aber der Besuch im Hochseilgarten ist
fest geplant. Es gibt noch Details zu klären, da dort verschiedene
Herausforderungen angeboten werden. Mal sehen, ob ich das selber
mit meiner Höhenangst schaffe. Wobei wir in dieser Vorbereitung
auch schon zwei Bergtouren gemacht haben. Und da durfte ich natürlich
nicht fehlen.
Das komplette Team ist Dienstags und Freitags zusammen.
Im Montag- und Donnerstag-Training fehlen Spielerinnen. Wie kann
man diesen Nachteil ausgleichen?
Dieses Problem war früher viel größer.
Heute betrifft das mit Birgit
Leitner und Sonja
Spieler nur zwei Spielerinnen. Das muss die Ausnahme sein, bei
beiden verstehe ich aber, dass das nicht anders machbar ist. Beide
bekommen von mir die Trainingsschwerpunkte mit zu Ihren Heimatvereinen,
bei denen sie Montags und Donnerstags trainieren. Bei Sonja hat
sich das sehr gut eingespielt, ihr früherer Trainer ist hier
sehr hilfreich. Kerstin
Hoffmann ist ein sehr gutes Beispiel, dass sich das beständige
Mannschaftstraining lohnt: Nun nimmt sie an der kompletten Vorbereitung
teil, während sie letzte Saison viel weniger mit der Mannschaft
trainierte. Das bringt ihr sehr viel und unserer Mannschaft natürlich
auch. Welch exzellente Fußballerin Kerstin ist, kann man nun
auf dem Platz sehen.
Die B-Juniorinnen spielen seit Jahren in der bayerischen
Spitze mit. Bisher gelang es aber keiner Ex-B-Juniorin sich in der
1.Mannschaft zu etablieren. Entweder schwere Verletzungen wie bei
Claudia Kierner bzw. Mareike Mende oder die 2.Mannschaft waren die
Endstation. Woran kann das liegen?
Die Vergangenheit kann ich nicht beurteilen. Aktuell sind
Steffi Wiesmann und Vroni Hesse von den Juniorinnen zur 1.Mannschaft
gestoßen. Sie werden ihren Platz finden. Zur Juniorinnentrainerin
Rosi
Bindl habe ich einen sehr engen Kontakt. Bei ihr weis ich unsere
Talente sehr gut aufgehoben. Sie und Marina
Schnapp kümmern sich nicht nur um die sportlichen Angelegenheiten,
sondern auch um Schule, Ausbildung und persönliche Situation.
Ich lege sehr viel Wert darauf, dass wir gemeinsam die jungen Spielerinnen
weiterbringen und schon früh die Grundlagen legen für
ihre Fußballkarriere. Dazu gehört auch, dass die Möglichkeit
besteht, bei der 1.Mannschaft mitzutrainieren. Bei der Beurteilung
einer Spielerin sind für mich etwa zu 2/3 die Trainingseindrücke
und 1/3 die Spieleindrücke entscheidend. Gerne will ich öfter
beim Juniorinnen-Training zuschauen. Wobei das aufgrund der Trainingsüberschneidungen
mit den unterschiedlichen Orten wie Aschheim und Säbenerstraße
nicht immer einfach ist. Aber wenn es irgendwie geht, bin ich auch
bei den Juniorinnen vor Ort. Insbesondere dieses Jahr haben wir
neun Neuzugänge im Juniorinnenbereich,
die alle außergewöhnliche und viel versprechende Talente
darstellen. Zudem haben wir für die laufende Vorbereitung sieben
Spielerinnen der 2.Mannschaft angeboten, komplett bei der 1.Mannschaft
mitzutrainieren. Mit Kathi
Krüger, Bianca
Eder und Feli
Notbom haben drei dieses Angebot angenommen.
Bei Olympia in Athen ist keine FCB-Spielerin dabei. Welche
Spielerin könnte den Sprung ins A-Team schaffen?
Kann man so nicht sagen. Wir müssen erstmal erfolgreich
in diese Saison starten und sehen, ob wir die Leistungen der Rückrunde
bestätigen können. Für eine Berufung ins A-Team muss
erst einmal der dortige Bedarf ermittelt werden. Aber wenn jemand....,
dann hätten sicher Janine
Parztsch und Carmen
Roth zumindest eine Lehrgangseinladung verdient. Beide sind
noch jung und haben eine überragende Rückserie gespielt.
Welchen Eindruck hat Neuzugang Melanie
Fischer bisher gemacht?
Für ihre 18 Jahre spielt Melanie bereits einem sehr
hohem Niveau. Wenn gleich da viel Potenzial vorhanden ist. Mit dem
nötigen Fleiß, Ehrgeiz und Engagement hat sie gute Chancen
für die erste Elf, aber ein Selbstläufer ist die Angelegenheit
auch für Melanie nicht. Zum Beispiel ihr linker Fuß und
Ihr Kopfballspiel sind noch stark verbesserungsfähig.
Kann der FCB kommende Saison mit Potsdam und Frankfurt mithalten?
Für mich ist das Ziel, das Niveau der Rückrunde
zu halten. Der Kader ist knapp besetzt. Wenn, wie erwähnt einige
Spielerinnen verletzt ausfallen oder mit Nationalteams unterwegs
sind ist die Personalknappheit schnell vorhanden. Zudem haben wir
mit Simone Laudehr und Christine Francke zwei sehr gute Spielerinnen
verloren. Der aktuelle Kader kann das sicher ausgleichen, um aber
ganz oben mitspielen zu können müsste schon alles passen.
Katharina
Grießemer wurde in der Sommerpause Vize-Europameisterin.
Im November ist die WM in Thailand. Wie stehst du zu dieser Mehrbelastung
einer jungen Spielerin.
Katharina hat zum Ende der Rückrunde kaum Spiele über
die kompletten 90 Minuten gemacht. Ich wollte sie nicht überfordern.
Nach Ende der Rückrunde sollten es wenigstens zwei Wochen Regenerationspause
für sie geben, da für Katharina die EM quasi vor der Tür
stand. Zur EM fuhr sie als Stammspielerin, saß dort aber auf
der Bank und war sehr unglücklich. Nun trainiert sie normal
mit, genießt bei mir jedoch eine besondere Aufmerksamkeit.
Zwischen psychischer "Bestrafung" und physischer Überforderung
entsteht nicht selten ein schmaler Grat. So auch im Fall Katharina
Grießemer. Fingerspitzengefühl ist angesagt!!!!
Wer sind die aktuellen Spielführer?
Tanja
Wörle ist erste Spielführerin, Pavlina
Scasna die Stellvertreterin. Beide habe ich vorgeschlagen, das
Team hat entschieden zwischen 1. und 2. Spielführerin. Zudem
hat die Mannschaft einen Mannschaftsrat gewählt, in dem Sabine
Loderer, Nina
Aigner und Sandra
de Pol sitzen. Sandra ist zudem als Spielerin mit den meisten
Stimmen dritte Spielführerin.
Sozusagen zwei Präsidentinnen und ein gewähltes
Parlament?
Kann man so sagen.
Vielen Dank, Sissy. Wir wünschen eine erfolgreiche
Saison!
Das Gespräch führte Bernhard Kux.
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Sissy Raith
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In Heft 2:
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