|
Nach zwei Jahren verlässt Du München.
Wohin geht die Reise?
Ziel ist die Oklahoma
State University im gleichnamigen Bundesstaat. Das ist eine
große Uni mit über 30.000 Studentinnen und Studenten.
Gehst Du als Torhüterin, Torjägerin, Eishockeystürmerin oder
Studentin in die USA?
In erster Linie als Fußballerin - im Tor - und als Studentin.
Aber wie es in meinem Leben so ist, fehlt das Eishockey natürlich
nicht. Im Eishockey bleibe ich sicherlich Torjägerin - was im Fußball
alles passieren kann, haben wir diese Saison erlebt.
Was studierst Du in den USA?
Ich werde in den BWL Bereich gehen und mich auf Marketing konzentrieren.
Ist das College auf Dich zugekommen oder hast Du es Dir ausgesucht?
Nun beides: Die Uni hat mich zuerst kontaktiert, weitere Unis
haben sich gemeldet. Aber ich habe mir die OSU ausgesucht. Oklahoma
ist südlich, ländlich und ein Ort, den ich wohl nie im Alltag erlebt
hätte - im Gegensatz zur Ostküste, die sicherlich auch einmal ein
Ziel von mir sind.
Hast Du Dich vorab erkundigt, wie das Leben an einem US-College
abläuft?
Bei Sandra de Pol und anderen Spielerinnen habe ich mich vor
Allem erkundigt, was Formalitäten und den Kulturunterschied betrifft.
Aber ich wollte nichts über das Erlebnis an sich wissen, weil ich
mich genau auf diese Erfahrung freue.
Welche Vorraussetzungen musstest Du für den Collegebesuch erfüllen?
Dadurch, dass ich bereits Studentin bin, hätte ich nur den TOEFL-Test
machen müssen, da ich durch meine Immatrikulation bereits hochschulreife
(SAT) nachweisen kann. Ich schrieb den SAT aber dennoch - der Vollständigkeit
halber. Sobald ich als Exchangestudent an der Uni immatrikuliert
bin, kann ich mein Visum beantragen.
Spielt Deine Schweizer Staatsangehörigkeit dabei eine Rolle?
Das wird sich weisen. Ich denke aber, dass ich als Schweizerin
zur Zeit weniger Probleme habe, in die USA reinzukommen - es sei
denn mein "Peking-Stempel" von der Eishockey-WM macht mir einen
Strich durch die Rechnung :-)
Wie kann man so einen College-Aufenthalt finanzieren?
Ich habe ein volles Stipendium, d.h. Wohnung, Schule, Bücher,
Taxen und Essen wird bezahlt. Dadurch lässt sich das Studium drüben
finanzieren, obwohl ich nie Cash sehe. Es gibt auch Teilstipendien:
Wie die Vollstipendien hängen diese von der Finanzkraft der Uni
und der Klasse der Spielerin ab.
Wann geht es los in den USA?
Geplant ist Ende Juli. D.h. ich mache hier in München an der LMU
normal das Sommersemester zu Ende und habe dann noch zwei Wochen
Zeit, Arbeiten zu schreiben... :-), zu Packen und Abschied zu nehmen.
ABER alles hängt vom Datum des Visum ab.
Wie lange wird der USA-Aufenthalt dauern?
... oh, eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Vielleicht
sechs Monate, vielleicht aber auch eher ein paar Jahre.
Welche Spiele bestreiten die College-Teams? Gibt es dort eine
Art Liga oder Turniere?
Das ist kompliziert: OSU spielt in der NCAA Division I - dies
ist die höchste Studentenliga. Die Ligen sind geographisch aufgeteilt.
Wir spielen in der "Big 12 Conference" - es wird gesagt, das dies
die stärkste Gruppe sei. Der Sieger jeder Conference spielt "the
final tour". Die Hauptsaison ist von August bis Dezember. Im Frühjahr
stehen Freundschaftsturniere an.
Welche Chancen siehst Du für eine Verpflichtung in der WUSA?
Nun, es ist nach wie vor ein Wunsch, ein Traum, ein Ziel dort
zu spielen. Mit dem Wechsel in die USA bin ich dem sicherlich ein
Stück näher gekommen - ich bin vor Ort. Es ist als Torfrau nach
wie vor schwierig, einen der fünf Ausländerplätze in den acht Teams
zu bekommen.
Wirst du die Frauenfußball-WM in den USA verfolgen?
Ja, auf jeden Fall und den USA die Daumen drücken - da es das
beste für den Frauenfußball und die WUSA wäre. Heimlich schlägt
mein Herz aber für Schweden.
Außerdem darf ich auch für die eine oder andere Zeitung "Expertin"
sein.
Muss die Schweizer Nationalmannschaft in Zukunft ohne Dich auskommen?
Warum hast Du gegen Finnland nicht gespielt?
Eigentlich nicht, da mit der Uni ausgemacht ist, dass ich freigestellt
werde. Es liegt nun am SFV, ob er das Geld aufwendet oder nicht.
Ob gegen Finnland bereits dieses Experiment erprobt wurde, weiß
nur der Trainer.
Zwei Jahre FCB gehen zu Ende. Wie fällt Deine Bilanz aus?
Es war eine schöne Zeit: Sportlich waren es nicht meine besten
Spiele, irgendwie fühlte ich mich nicht sicher. Aber ich habe viel
gelernt und dazu gewonnen: Fußballerisch habe ich starke Fortschritte
gemacht - wie man ja auch mitbekam - auch körperlich bin ich fit.
Auch menschlich habe ich wieder wertvolle Erfahrungen gesammelt.
Ich habe zwei sehr schöne Jahre erlebt in einem spielerisch hochstehenden,
kreativen, witzigen und harmonischen Team.
Wenn man Niederkirchen, Potsdam und München fußballerisch vergleicht:
Was sind die Unterschiede?
Niederkirchen lebt vom Kampf, vom Stolz, von der Gemeinschaft.
Potsdam lebt von der Dynamik, von der Kraft und vom Willen.
Bayern München lebt von phantastischen, individuellen Spielerinnen,
die doch eine geschlossene und starke Spielkultur pflegen.
Warst Du sehr überrascht, dass Turbine 20021 Nadine Angerer
verpflichtete?
Nein - im Fußball kann einfach alles passieren und es ist ok
so.
Was sagst Du zu Deinem Ex-Verein Potsdam, der so kurz vor der
Meisterschaft stand?
Ich hoffte auf Turbine - ich würde es Bernd Schneider von ganzem
Herzen gönnen. Für ihn als Mensch und als Person, der viel für den
Frauenfußball macht. Aber der FFC Frankfurt steht für Qualität und
Professionalität.
Was hat Dir an München gefallen, was nicht?
Die Stadt München ist wunderschön und gemütlich. Die Menschen
sind lebendig, es ist immer irgendwas los. Die Uni und ihre Dozenten
stehen für Klasse. Nicht so schön sind die schlechten Zug- und Flugverbindungen
von München in die Schweiz. Zudem ist München sehr teuer.
Welche Sportarten/Freizeitaktivitäten neben Fußball und Eishockey
würdest du gerne betreiben, hast aber keine Zeit dazu?
Ich würde gerne eine Einzelsportart ausüben, zum Beispiel Tennis.
Ansonsten faszinieren mich alle Teamsportarten. Auch würde ich gerne
vermehrt meinen Instrumenten Gitarre, Sax und Flöte nachgehen. Aber
ich beklage mich überhaupt nicht: Erstens geht's mir gut und zweitens
bin ich noch jung...
Du hast als einige der wenigen Frauenfußballspielerinnen eine
eigene, offizielle Homepage.
Wie kam es dazu?
Durch meinen Bruder Thomas. Als ich 1999 Schweizer Meister,
Fußballerin des Jahres und ich zudem in die Bundesliga wechselte,
hat er einfach gesagt: "Jetzt müssen wir was machen". Nie im Leben
hätten wir gedacht, dass meine Homepage so Wellen schlagen würde.
Wird man Deinen USA-Aufenthalt auf der Homepage verfolgen können?
Auf jeden Fall!
Möchtest Du abschließen auf diesem Weg noch etwas loswerden?
Es war ein großartiges Gefühl, von so tollen Fans gefeiert zu
werden. Vielen Dank!
|