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Interviews > Claudia Kierner , Mai 2004

Der lange Weg zurück
Am 9.11.2003 verletzte sich U19-Europameisterin (10 Länderspiele) Claudia Kierner in der 85.Minute des Pokalspiels FC Bayern gegen FFC Frankfurt sehr schwer:
Fußballspielen wird sie wohl frühestens wieder in 2005 können.

Kannst Du Dich noch erinnern, wie die Verletzung passiert ist?
Daran kann ich mich sehr genau erinnern. Renate Lingor nahm an der Seitenlinie einen abgeblockten Eckball auf und machte eine Körpertäuschung. Ich versuchte mich dagegenzustellen, blieb dabei aber ohne gegnerische Einwirkung mit den Stollen im Rasen hängen und das Knie drehte nach außen weiter.

Wusstest du sofort danach, dass die Verletzung "etwas Schlimmes" ist?
Mir war sofort klar, dass im Knie einiges kaputt gegangen war. Das war ein ziemlicher Schock. In der Kabine meinte ich, dass es zu einer Verlängerung kommt, das Tor habe ich nämlich gar nicht mitbekommen. Ich war schon sehr verwundert, dass meine Mitspielerinnen in die Kabine kamen und vom Spielende sprachen (Anm. d. Red.: Während Claudia verletzt auf dem Spielfeld lag, fiel das spielentscheidende 1:0 für Frankfurt).

Welche Verletzung genau hast Du?
Ich zog mir einen Riss des rechten vorderen Kreuzbandes, einen Anriss des Innenbandes, sowie einen Meniskus- und Knorpelschaden zu.

Ein Kreuzbandriss ist eine im Fußball leider relativ oft auftretende Verletzung und damit auch vielen Menschen vom Hörensagen bekannt. Aber kaum jemand kann sich vorstellen, wie sich das anfühlt. Kannst Du das beschreiben?
Es war ein intensives Stechen, ein tiefer Schmerz. Das Knie schwoll sofort an, da der Meniskus und Knorpel auch in Mitleidenschaft gezogen waren. Ich habe sofort gemerkt, dass die Stabilität im Knie weg war. Bedingt durch den Knorpelschaden hatte ich einen starken Bluterguss im Knie. Wie mir die Ärzte später erklärten, war dies der Hauptgrund für die starken Schmerzen.

Als sich dann herausstellte, dass es sich um einen Kreuzbandriss handelt, was waren deine ersten Gedanken?
Warum!?! Vorher hatte ich nie Probleme mit Bändern oder den Knien. Immer nur mit dem Rücken und den Oberschenkeln. Ich hatte deswegen gerade eine längere Rehaphase hinter mir. Daher war es umso ärgerlicher, dass nun so etwas passiert. Ich möchte sehr gerne wieder Fußball spielen, das ist mein Ziel.

Wurdest Du operiert?
Ja, am 2.1.2004 wurde ich von Dr. Med. Gabriel Wasmer in der Sana-Klinik operiert.
Er hat auch schon Susi Eigner operiert.


Claudia Kierner
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Wie haben deine Teamkolleginnen darauf reagiert?
Direkt nach der Verletzung haben viele gefragt und gehofft, dass es doch nicht so schlimm ist.

Hast Du seitdem genauso viel Kontakt zu deinem Team wie beim normalen Ligabetrieb?
Natürlich nicht. Das Rehaprogramm nimmt nach der Arbeit die meiste Zeit in Anspruch. Trotzdem schaue ich, wenn möglich, beim Training zu. Bei den Heimspielen bin ich immer da. Anfangs mussten mich dazu meine Eltern noch fahren. Es waren ja 4 lange Monate auf Krücken.

Was steht auf Deinem Reha-Tagesplan?
Nach der Operation war ich zunächst vier Wochen zuhause in Mühldorf. Dort konnte ich mit etwas Krankengymnastik beginnen. Danach war ich weitere vier Wochen fünf Mal pro Woche in Altötting bei der ambulanten Reha. Aktuell habe ich ein intensives Reha-Programm: Zwei bis dreimal pro Woche bin ich in der Sportschule Fürstenfeldbruck an den Geräten. Dort trainieren auch einige andere verletzte Sportler, z.B. Skispringer wie Frank Löffler, aber auch Gewichtheber und Leichtathleten. Hinzu kommt zweimal pro Woche Krankengymnastik bei Consports. Mit geraden Bewegungen kann ich das Knie schon belasten, aber mit seitlichen Bewegungen habe ich noch Schwierigkeiten. Daher muss ich mich derzeit noch auf Radfahren auf dem Ergometer beschränken.

Wie oft musst Du zur ärztlichen Kontrolle?
Jetzt nur noch alle fünf bis sechs Wochen. Anfangs natürlich öfters.

Hast Du Dich mit "Leidensgenossinnen" ausgetauscht, die solch eine Verletzung hinter sich haben? Hilft so etwas?
Ja, das hilft schon sehr. Zum Beispiel Julia Kremser hatte schon zwei Kreuzbandrisse und Susi Eigner erwischte es letzten Sommer. Deren Erfahrungen sind sehr interessant.

Du bist sicher von Vielen auf die Verletzung angesprochen worden.
Hilft das, oder nervt es auf Dauer, wenn einem jeder gute Besserung wünscht, auch wenn man gar nicht mehr daran denken will?
Ich finde es sehr gut, wenn nachgefragt wird. Ansonsten hätte man das Gefühl, dass es keinen interessiert.
Aber man merkt schon den Unterschied zwischen echtem Interesse und Alibi-Interesse.

Glaubst Du, dass Du nach Deiner Genesung wieder genauso Fußball spielen kannst, wie vor der Verletzung?
Das glaube ich schon. Aber es wird eine lange Zeit dauern und viel Arbeit in Anspruch nehmen. Wenn ich wieder fit bin, will ich es wieder wissen.

Meinst Du, dass Du Dich in Zukunft vor solchen Verletzungen schützen kannst?
Grundsätzlich nein, denn vor Verletzungen ist keiner sicher. Ich glaube jedoch, dass man mit gezieltem Muskelaufbau teilweise vorsorgen kann. Obwohl ich bisher "nur" Rücken- und Oberschenkelprobleme hatte und viel für den Aufbau von Muskeln getan habe, erwischte es mich trotzdem. Da man zur Zeit von vielen Spielern und Spielerinnen mit Kreuzbandriss hört, scheint diese Verletzung wohl gerade "in Mode" zu sein.

Meinst Du, die Verletzung hängt mit den getragenen Fußballschuhen zusammen?
Ich hatte meine Fußballschuhe mit runden Stollen an. Ich habe aber gehört, dass es von adidas eine Studie bzgl. deren Längsstollen gibt. Anscheinend ist der Bremsweg so schnell, dass das die menschlichen Bänder nicht mitgehen können und somit reißen.
(Anm. d. Red: s.a. http://www.berlinonline.de/... )

Wie sieht dein Plan für die nächste Zeit aus? Sprich, wann wirst Du wieder anfangen mit leichtem Training, wann wirst du wieder ins Mannschaftstraining einsteigen?
Bei meinen Verletzungen sagte man mir, dass es etwa eineinhalb Jahre dauert, bis das vollständig ausgestanden ist. Bei Vollprofis geht das sicherlich schneller; bei mir es wahrscheinlich aber erst zu Beginn 2005 wieder was mit Fußball.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Im Moment ist es noch offen, wie es bei mir mit Fußball weitergeht. Erst einmal möchte ich wieder gesund werden. Die Situation beim FC Bayern ist dabei leider nicht sehr hilfreich.


Vielen Dank, Claudia.
Ich wünsche Dir gute Besserung und Kopf hoch!

Das Gespräch führte Bernhard Kux

(München, Mai 2004)


In Auszügen wird das Interview im Soccer-Magazin erscheinen.