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Deutscher Fußballbund
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Interviews > 17.9.2003

Comeback in Kürze: Sandra de Pol
Die Schweizerin Sandra De Pol kam über die USA und Niederkirchen im Jahr 2000 zum FC Bayern. Als zentrale Abwehrspielerin nimmt sie eine der Schlüsselpositionen im Team ein. Leider ist sie verletzt in die neue Saison gegangen. Fcbayern-frauenfussball.de befragte sie nach der aktuellen Situation, der Vergangenheit und vielem mehr.

Sandra de PolDu bist derzeit verletzt, wie geht es Dir?
Es geht mir sehr gut, ich habe während der ganzen Verletzungszeit eine optimale Betreuung und ein intensives Aufbauprogramm genießen dürfen. Ich hatte sogar oft mehr Trainingseinheiten als meine Mitspielerinnen, aber es hat sich gelohnt.
Ich konnte jetzt am 15.09.2003, nach 9 Wochen Verletzungspause wieder am Trainingsbetrieb teilnehmen.

Welche Verletzung hast Du erlitten?
Im rechten Knie einen Anriss des Innenbandes und eine Verletzung der Kapsel.

Wann wirst Du wieder spielen können?
Ich hoffe, dass ich die nächsten Spiele bei der 2. Mannschaft ab und zu zum Einsatz komme um Spielpraxis zu sammeln.
Natürlich möchte ich sobald als möglich wieder zum Kader der 1. Mannschaft gehören und meinen Teil Aktiv beitragen.

Lass uns einen Blick zurück werfen: Im Sommer 2002 verließen Rosi Bindl und Hiromi Katagiri die 1.Mannschaft. Die Abwehr musste stark umformiert werden. Als zentrale Abwehrspielerin hast Du 2002/3 eine sehr gute Saison absolviert. Gab es dabei größere Probleme?
Nein, da gab es keine Probleme. Ich habe mich hinten sofort wohlgefühlt.

Ist die Abwehr Deine Lieblingsposition?
Ich spiele sehr gerne Zentral in der Abwehrkette. Dabei haben mir immer meine zuverlässigen Außen- und Vorderspielerinnen wie Dagi, Sabine und Tanja viel geholfen.

Deine Schusstechnik ist sehr auffällig und eine Deiner Stärken. Trainierst Du das speziell?
Das ist einfach da. In der Jugend hatte ich zwar mal einen Trainer, der eine sehr gute Schusstechnik hatte. Aber das allein kann es auch nicht sein.
Jetzt mache ich nur normales Schusstraining.

Eigentlich müsstest Du mit Deiner Schusskraft eine sehr gefährliche Schützin von Freistößen und Fernschüssen sein.
Schade, dass diese Stärke so selten zum Tragen kommt.
Hm, das stimmt, leider. Ich dränge mich aber bei Freistößen auch nicht unbedingt auf. Zudem will ich es immer perfekt machen und dann bin ich einfach nicht locker genug...somit geht öfters mal was schief , bzw. drüber :-) !

Im Bayerischen Pokalfinale hast Du mit einem tollen Schuss ins Tor den Trefferreigen eröffnet.
Wie kam es, dass Du als absolute Stammspielerin der 1ten in der 2ten Mannschaft im Bayerischen Pokalfinale mitgespielt hast?

Anfang 2002 war ich lange verletzt und habe dann einige Spiele in der 2.Mannschaft gemacht. Dies hat sehr viel Spaß gemacht. Bei den Pokalspielen habe ich meine Hilfe und mein Mitwirken angeboten. Ich war herzlich willkommen und so kam es, dass ich den Bayerischen Pokal mit der 2. Mannschaft gewann. Wenn meine jetzige Verletzung auskuriert ist, sammle ich sehr gerne wieder Spielpraxis, die nötige Sicherheit und Selbstvertrauen bei den Mädels. Wie bereits erwähnt, möchte ich aber so schnell wie möglich wieder in der ersten Mannschaft angreifen!

Ein anderes Thema: Du warst von 1996 bis 1999 an einem US-College.
Was hast Du in den USA studiert?
Ich habe dort Business und Mathematik, also in etwa Wirtschaftsmathematik studiert. Tennis und Fußball waren meine sportlichen Schwerpunkte.

Ist das College auf Dich zugekommen oder hast Du es Dir ausgesucht?
Als ich 1995 in der Schweiz in Malters spielte, hatten wir eine Mitspielerin aus Holland.
Über sie nahmen wir an einem internationalen Jugend- und Frauenturnier in Amsterdam teil, das wir gewannen.
Da ich bei diesem Turnier eine überzeugende Leistung brachte, wurde das College auf mich aufmerksam und kontaktierte mich.

Hast Du Dich vorab erkundigt, wie das Leben an einem US-College abläuft?

Überhaupt nicht. Ich habe einfach die Chance wahrgenommen und bin ins kalte Wasser gesprungen.
Vor Allem ging es mir darum, Englisch zu lernen. Sport war natürlich wichtig, aber die Schule stand im Vordergrund.

Welche Vorraussetzungen musstest Du für den Collegebesuch erfüllen?
Gar keine. Ich musste keinen SAT oder TOEFL Test ablegen, hatte nur einen Einstufungstest und Einführungsklassen während des 1. Quartal.

Spielte Deine Schweizer Staatsangehörigkeit dabei eine Rolle?
Das spielte keine Rolle. Das Team von Brewton Parker war ein sehr internationales, mit Spielerinnen aus Australien, Kanada, England, Schweden, Holland und eben einer Schweizerin.

Wie hast Du Deinen College-Aufenthalt finanziert?
Ich hatte ein Voll-Stipendium.

Welche Spiele bestreiten die College-Teams? Gibt es dort eine Art Liga oder Turniere?
Das Spielsystem ist in den USA anders als in Europa. Es gibt zum einen regionale "Conference", dann eine überregionale und schließlich eine nationale Meisterschaft.
Daneben werden die Teams noch in zwei Klassen unterteilt: Die NAIA und die höherklassige NCAA.
Teams aus beiden Klassen spielen durchaus gegeneinander, allerdings werden die Meister in den beiden Klassen separat ermittelt.
Ich spielte zwei Jahre in der NAIA, die für mich zum Einstieg geeigneter war. Ich hatte jedoch ein Angebot aus der NCAA - University of Conneticut, kehrte dann aber nach Europa zurück. Pavlina empfahl ich das College, aber bekanntlich startete sie gleich in der WUSA.

Wie kann man Deine Berufungen in das American All Star Team 1996 und 1997 bewerten?
Dieses All Start Team existiert auf dem Papier und spielte nie zusammen. Das war eine sehr schöne Bestätigung für meine Leistungen.

Du warst in Georgia. Was ist das für eine Gegend?
Mount Vernon liegt in einer ländlichen Gegend in den Südstaaten. Es ist das ganze Jahr über angenehm warm :-)
Die Menschen dort sind sehr hilfsbereit und machten mir den Einstieg leicht, ich hatte eine tolle Zeit!

Hattest Du Zeit, Dir die USA anzuschauen?
Ja, das war schon möglich. Mein damaliger Freund (ebenfalls Schweizer) hat für das gleiche College gespielt und wir haben zusammen, während den 2 Jahren, sehr viel von Amerika gesehen.

Ist ein nochmaliges Fußballspielen in den USA noch mal ein Thema?
Das ist eher unwahrscheinlich. Ich fühle mich hier in München sehr wohl und ich habe eine tolle Arbeit, welche mir sehr wichtig ist.

Kommen wir zur aktuellen Saison: Im Kicker wirst Du zitiert, dass bei den FCB-Frauen "immer alles so harmonisch abläuft".
Ist nicht gerade dieses Jahr ein harter Kampf um die Plätze, bei dem eher ein gesunder Konkurrenzkampf vorherrscht und die Harmonie strapaziert wird?
Trotz des hohen Niveaus helfen wir uns gegenseitig. Konkurrenzkampf ist wichtig, aber die Spielerinnen die nicht spielen akzeptieren das und es ist so ok.

Der FCB spielt demnächst im DFB-Pokal gegen Deinen Ex-Verein Niederkirchen. Wie kam es, dass Du von den USA nach Niederkirchen gewechselt bist?
Sandra Kälin spielte damals schon für Niederkirchen. Sie kenne ich schon viele Jahre, daher hatte ich über sie Kontakt und wechselte in die Bundesliga nach Niederkirchen.

Wirst Du die Frauenfußball-WM in den USA verfolgen?
Ja, aber wichtig ist mir das nicht.

Wer ist Dein WM-Favorit?
USA

Du trägst die Rückennummer 23 schon wesentlich länger als David Beckham. Hast das was mit Michael Jordan zu tun?
Das hat gar nichts mit Michael Jordan oder anderen Sportlern zu tun. Ich war 23 als ich in der deutschen Bundesliga anfing, daher die Rückennummer 23. Bei Bayern bat ich um diese Nummer und es war kein Problem sie zu bekommen.

Deine Lieblingsspieler sind Bakero, Redondo, Guardiola. Welchen Spielertyp bevorzugst Du?
Die defensiven Mittelfeldspieler schätze ich sehr. Sie arbeiten viel und unauffällig im Hintergrund, aber im Blickpunkt stehen oft andere.

Dein Sportidol ist der Footballspieler Jerry Rice. Er ist vielen kein Begiff. Wer ist das?
Jerry Rice ist für mich in jeder Hinsicht ein absolutes Vorbild. Er ist ein American Football Player und hat mit den San Francisco 49ers und den Oakland Raiders überragende Erfolge erzielt. Als 40jähriger stand er dieses Jahr noch im Superbowl-Finale.

Du hast keinen Fernseher? Hast Du keine Zeit oder sitzt Dir die GEZ im Nacken?
Arbeit und Fußball nehmen viel Zeit in Anspruch und meine Freizeit kommt oft etwas kurz. Wenn ich einen Fernseher hätte, würde die Kiste wahrscheinlich ständig laufen. Ohne TV werde ich weniger abgelenkt und kann meine freie Zeit sinnvoller nutzen.

Dein Musikgeschmack ist nicht ein Massengeschmack: Sister Hazel, Tonic und Evanescence. Wie würdest Du Deinen Musikgeschmack beschreiben?
Aufgewachsen bin ich mit Hardrock. Ich habe eine große CD-Sammlung mit Musik für alle Lebens- und Stimmungslagen. Neben der in der Frage erwähnten Musik finde ich Musik aus
den 70er und 80er Jahren gut. Z.B. Fleetwood Mac

Kannst Du Dir vorstellen als Trainerin zu arbeiten?
Nein, das ist kein Ziel von mir.

Was gefällt Dir an München besonders?
Sehr schön ist, dass Stadt und Land so nahe beieinander sind.

Du warst schon lange nicht mehr im Urlaub. Wohin würdest Du denn gerne fahren?
Zur Zeit habe ich kein bestimmtes Urlaubsziel.

Wenn es die Zeit zulässt: Welche Sportarten und Freizeitaktivitäten würdest Du neben Fußball gerne betreiben?
Ich hätte gerne mehr Zeit, Tennis zu spielen.


Vielen Dank, Sandra. Weiterhin gute Besserung und eine baldige Rückkehr auf den Rasen.


Aufgezeichnet von Bernhard Kux