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Deutscher Fußballbund
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Interviews > 22.06.2003

Rosi Bindl: Trainerin und Spielerin
Rosi Bindl ist eine der erfolgreichsten deutschen Fußballerinnen. 2002 trat sie aus der 1.Mannschaft zurück und übernahm die B-Juniorinnen des FC Bayern. Fcbayern-frauenfussball.de befragte sie über die vergangene Saison, die mit dem bayerischen Pokalsieg doch noch ein versöhnliches Ende fand.

Kürzlich fand das Pokalendspiel FFC Frankfurt gegen FCR Duisburg statt. Du hast 1988 und 1990 mit dem FCB Pokalendspiele im Berliner Olympiastadion bestritten, leider aber beide verloren. Zudem wurdest Du 1989 Europameisterin. Wie hat sich seitdem der Frauenfußball entwickelt?
Der heutige Frauenfußball ist viel professioneller und die finanzielle Basis breiter. Es ist dadurch wesentlich mehr machbar. Allerdings ist das auch gefährlich: Junge Spielerinnen haben es heute viel leichter und kennen die beschwerliche Entwicklung des Frauenfußballs nicht. Oft wird es ihnen zu leicht gemacht: Zum Beispiel werden junge Spielerinnen relativ schnell zu Junioren-Nationalspielerinnen und meinen damit, schon viel erreicht zu haben. Wirkliche sehr gute Spielerinnen bringen aber kontinuierlich Leistung über Jahre hinweg und werden zu echten A-Nationalspielerinnen.

Letzte Saison bist Du aus der 1.Mannschaft zurückgetreten. Diese Saison hast Du die Juniorinnen trainiert und in der 2.Mannschaft einige Spiele gemacht. Das hört sich an, als ob Du dieses Jahr noch mehr mit Fußball zu tun hattest?
Ja, ab der Winterpause war das schon heftig. Teilweise stand ich fünf Stunden auf dem Fußballplatz: Zuerst Training mit den Juniorinnen und dann noch mit der zweiten Mannschaft. Zumindest einmal pro Woche wollte ich mit der Zweiten trainieren. Da wir den Abstieg aus der Regionalliga verhindern wollten, habe ich mich überreden lassen, noch mal anzugreifen. Das tat ich sehr gerne, aber in der kommenden Saison kommt das nicht mehr in Frage.

Das heißt, Du trainierst in der nächsten Saison "nur" noch die B-Juniorinnen?
Definitiv ja, das reicht vollkommen.

Die 2.Mannschaft soll Spielerinnen an die Bundesliga heranführen. Waren die jungen Spielerinnen in der Regionalliga überfordert?
Der Sprung von den Juniorinnen zu den Frauen ist schon sehr groß. Wenn es dann gleich in der Regionalliga zur Sache geht, ist das nochmals viel schwieriger. Ich hoffe, die jungen Spielerinnen konnten in der Regionalliga viel lernen.

Welche Spielerinnen aus der jetzigen 2.Mannschaft könnten in der nächsten Saison die 1.Mannschaft verstärken?
Mareike Mende ist wahrscheinlich am ehesten in der Lage, zur 1.Mannschaft aufzuschließen. Da sie nun nach München zieht, entfallen die vielen Fahrten was sicher eine Entlastung ist. Letztendlich ist das aber die Entscheidung des Trainers der 1.Mannschaft.

Rosi Bindl
Rosi Bindl

Zu den Juniorinnen: Stephanie Inhuber, Simone Wagner und Sophie Gabler müssen altersbedingt das Juniorinnenteam verlassen. Welche Chancen siehst Du für sie in der 1. oder 2.Mannschaft?
Sophie wird den FC Bayern verlassen. Steffi und Simone werden in der 2.Mannschaft sicher ihre Chancen bekommen. Die 1.Mannschaft kommt wahrscheinlich noch zu früh für sie.

War dies Dein erstes Jahr als Trainerin?
Nein, 1990 trainierte ich ein halbes Jahr die Mädchen des FC Wacker München und 1991 ebenfalls für ein halbes Jahr das Frauenteam aus Kaufering.

Welche Rolle spielt Marina Schnapp bei den B-Juniorinnen?
Sie ist Betreuerin und Organisatorin. Sie hilft mir sehr, was Terminplanung, Papierkram und direkte Betreuung der Mädchen angeht. So kann ich mich voll auf das Sportliche konzentrieren.

Warum war diese Juniorinnen-Saison eine "Übergangssaison"?
Zu Saisonbeginn wechselten acht Mädchen von den Juniorinnen zu den Frauen. Nach so vielen Abgängen war ein Neuanfang unvermeidbar. Beispielsweise war anfangs nicht klar, wer im Tor stehen wird. Mittlerweile will aber Cindy Roberts gar nicht mehr aus dem Kasten.

Mit Vroni Hesse kam eine Deiner Spielerinnen zu mehreren DFB-Länderspielen in der U-17 Auswahl. Wie wird man Nationalspielerin?
Es gibt Sichtungslehrgänge und Stützpunkttrainings. Wer dabei Leistung zeigt, wird nominiert. Zudem muss jede Auswahlspielerin jeweils Montags am Stützpunkttraining teilnehmen.

Vroni erzielte sogar ein Tor im Nationaltrikot. Musstest Du Vroni wieder auf den Teppich zurückholen?
Überhaupt nicht. Vroni ist sehr bodenständig und kann das sehr gut einschätzen. Es ist eher so, dass ihr das alles manchmal zuviel wird. Der Zeitaufwand ist schon immens.

Wie wird man Spielerin im FCB-Juniorinnen-Team?
Bei einem Probetraining kann ich sehen, ob ein Mädchen uns weiterhelfen kann.

Kann man einfach an einem Probetraining teilnehmen?
Ja. Dazu mich kontaktieren und einen Termin vereinbaren.

Welches Alter und welche Vorraussetzungen muss man mitbringen?
Das Alter sollte zwischen 13 und 16 Jahren liegen. Sie sollte bereits in einem Verein gespielt haben und fußballerische Grundlagen mitbringen.

Für Jungs veranstaltet der FCB Talentsichtungstage, gibt es so etwas für Mädchen auch?
Es gibt einen Tag des Mädchenfußballs am 6.7.2003. Dieser Tag wird einmal im Jahr vom DFB veranstaltet und ist dieses Jahr in Poing. Ich und einige meiner Mädchen werden dort sein. Einen eigenen FCB-Mädchenfußballtag kann ich mir gut vorstellen. Allerdings existiert das bisher nur als Idee und ist ein Projekt für die Zukunft.

Wie oft und wo trainieren die Juniorinnen?
Die B-Juniorinnen trainieren Dienstags und Freitags auf Kunstrasen an der Säbener Straße. Die Spiele finden bisher auch dort statt. Eventuell werden diese aber in Zukunft in Schäftlarn ausgetragen.

Die Juniorinnen sind oft als "Ballmädchen" bei Heimspielen der 1.Mannschaft dabei. Ist das ein "Dienst", der von den Mädchen erwartet wird?
Die Teilnahme daran wird sehr begrüßt. Das hat keinen "Dienstcharakter", sondern ist ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Beitrag der Juniorinnen zum Erfolg der 1.Mannschaft. Zudem haben die Mädchen so Kontakt zu den Frauen und können sehr nahe erleben, wie Bundesliga-Frauenfußball gespielt wird.

Wie kann man aus Deiner Sicht Mädchen- und Frauenfußball weiterentwickeln?
Für mich das absolut Wichtigste sind qualifizierte Trainer im Juniorinnenbereich. Es sollte nicht sein, dass irgendjemand ohne Qualifikation Trainer wird. Leider ist das im Mädchenbereich doch manchmal der Fall. Es kommt dabei gar nicht so sehr auf Trainerscheine an, viel wichtiger ist die menschliche und sportliche Qualifikation der jeweiligen Person.

Was müssen Vereine tun, um gegen die B-Juniorinnen ein Testspiel zu bestreiten?
Kontakt aufnehmen und fragen. Wir spielen nicht nur gegen hochkarätige Gegner, sondern auch gegen unterklassige Teams. Das ist dann auch eine gute Gelegenheit für meine jüngeren Spielerinnen Erfahrungen zu sammeln.

Wann beginnt die neue Juniorinnensaison?
Mitte August soll das Training beginnen. Mitte September findet dann das erste Pflichtspiel statt. Aufgrund der Schulferien ist das nicht ideal, aber nicht anders machbar.

Welche Ziele steckst Du dem Team nächste Saison?
Wir sind in der vergangenen Saison einen sehr guten Schritt im Neuaufbau weitergekommen. In der kommenden Saison wollen wir erneut im oberen Drittel mitspielen. Bisher stehen fünf Neuzugänge fest, davon aber die meisten im Alter von 12 bzw. 13 Jahren. Aber insbesondere einem Mädchen aus Rosenheim traue ich sofort den Sprung in die erste Elf zu.

Vielen Dank für das Gespräch!
Wir wünschen eine erholsame Sommerpause und eine tolle und erfolgreiche Saison 2003/4.

Aufgezeichnet von Bernhard Kux